Mit der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge, die von Ex-Finanzminister Grasser eingeführt wurde, hoffen viele Österreicher auf eine lukrative Privatrente. Die Realität sieht anders aus.

Annualisierte Performance eines Euro bis 2013 gesamt: 3 Jahre 1,39%  /  8 Jahre 1,47%

Quelle: Die FMA veröffentlicht jährlich die Studie zur „Prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge“

 

Solange es mit den Börsen bergauf ging, war die „prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge“ ein Renner. Doch 2008 kam die Finanzkrise. Und die Gewinne brachen weg. Über 1,6 Millionen Österreicher haben einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Ein Hauptproblem waren die langen Mindestlaufzeiten. Doch der Verein für Konsumenteninformation (VKI) setzte beim Obersten Gerichtshof durch, dass Kunden schon nach zehn Jahren aussteigen dürfen. Wer vorzeitig kündigt, muss meist die Hälfte der staatlichen Prämie zurückzahlen. Auch sind allfällige Kapitalerträge mit 25 Prozent nachzuversteuern. „Man muss sich genau durchrechnen, ob sich ein vorzeitiger Ausstieg lohnt“, sagt Prantner.

Ein Sparbuch wäre besser gewesen:

Die vom Staat vorgeschriebene Kapitalgarantie gibt es nicht kostenlos. Daher werden nur rund 80 Prozent des eingezahlten Kapitals veranlagt. Die hohen Kosten wirken sich auf die Performance aus. „Ein Sparbuch wäre besser gewesen“, sagt Walter Hager, Finanzexperte vom Verein für Konsumenteninformation.

Ihm liegen Verträge vor, bei denen nur eine Rendite von 0,4 Prozent beziehungsweise 0,5 Prozent pro Jahr erzielt worden sei. Selbst bei guten Fonds habe es nur eine Rendite von 1,0 Prozent pro Jahr gegeben.

Nach Protesten wurden die Bedingungen für die Zukunftsvorsorge mehrmals geändert. Im Vorjahr wurde der vorgeschriebene Aktienanteil erneut reduziert. Doch die Kritik reißt nicht ab. „Das bleibt eine Dauerbaustelle“, so Prantner von der Arbeiterkammer. Und Thomas Url vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) meint, das Produkt sei von Anfang an „schlecht designed“ gewesen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 06.03.2014)

Grassers Pensionsmodell ist am Versuch gescheitert, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Das ist aber kein Argument gegen private Vorsorge.

Es war eines der Prestigeprojekte der schwarz-blauen Regierung: die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Vor etwas mehr als zehn Jahren führte der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser das Modell unter großem Pomp ein. Der Anspruch an das neue Produkt war groß – und daran ist es auch gescheitert. So sollte es nicht nur die Absicherung der Österreicher in der Pension stärken, indem sie neben der staatlichen Rente auch privat für den Ruhestand sparen. Es sollte auch die Wiener Börse anschieben, da vorgeschrieben wurde, dass mindestens 40 Prozent des Geldes in Aktien investiert sein müssen – egal, was an der Börse gerade los ist.

Natürlich konnte im Jahr 2003 noch niemand den Börsencrash von 2008 vorhersehen. Im Gegenteil. In Wien sorgte das Wort „Ostfantasie“ gerade erst für das Einsetzen eines Booms. Dennoch musste auch damals schon allen klar sein, dass es auf den Kapitalmärkten auch wieder bergab gehen kann. Und dass in so einer Situation das gesetzliche Quasi-Verbot, Aktien zu verkaufen, die Pensionssparer zwingt, mit dem sinkenden Schiff in Richtung Untergang zu fahren, wie es in vielen Fällen dann ja auch passiert ist.

Für die Gegner einer privaten Pensionsvorsorge war die „Grasser-Rente“ Wasser auf ihre Mühlen. Pensionen dürften nicht in die Zocker-Hände des Casinos Börse, lautet ihr Leitspruch. Und auch wenn man ihnen im ersten Moment recht geben möchte – sie liegen falsch.

Die fehlerhaft gestaltete Zukunftsvorsorge mag zwar vielen Ärger gebracht und sie Geld gekostet haben. Ein Argument gegen die private Pensionsvorsorge ist sie aber nicht. Denn die Gründe, warum 2003 versucht wurde, die Menschen zu einem stärkeren Ansparen für die eigene Pension zu bringen, sind auch 2014 gültig. Sie sind sogar noch präsenter als damals.

So zeigt schon die Mathematik, dass das Pensionssystem deutlich unsicherer ist, als es den Bürgern gern weisgemacht wird. Finanzierten 1950 noch sieben Werktätige einen Pensionisten, sind es heute nur mehr vier. Und diese Zahl wird bis 2047 auf zwei sinken. Gleichzeitig wird aber die Dauer der Pension immer länger. So kann ein 65-jähriger Österreicher (der in der Regel bereits ein paar Jährchen im Ruhestand ist) laut OECD heute auf eine weitere Lebenserwartung von gut 18 Jahren bauen – bei Frauen liegt dieser Wert um vier Jahre höher. In den nächsten 50 Jahren wird die Lebenserwartung jedoch um fast 23 Jahre steigen. Für viele der heutigen „Pensionen sind sicher, macht euch keine Sorgen“-Versprecher dürften 50 Jahre in die Zukunft ein Zeithorizont sein, der sie nicht mehr wirklich interessiert. Jüngere Staatsbürger sollten sich diese Zahlen aber genau ansehen und daraus ihre Schlüsse ziehen.

Nun ist es grundsätzlich ja sehr erfreulich, wenn die Menschen älter werden und mehr von ihrem Leben haben. Einem Pensionssystem, das ähnlich einem Pyramidenspiel aufgebaut ist – unten wird eingezahlt, oben wird rausgenommen –, kann dabei aber ein übles Schicksal drohen, weshalb ebendiese Spiele verboten sind. Wer sich nur auf diese erste Säule des Systems verlässt, wird zwar nie ohne Pension dastehen. Ob er seinen Lebensstandard aber im Alter halten kann, ist eine andere Frage.

Der Ausbau der privaten (dritten) und betrieblichen (zweiten) Säule der Altersvorsorge ist also auch fünf Jahre nach dem Börsencrash kein überholtes Thema. Österreich hat hier vielmehr einen massiven Nachholbedarf. So gibt es nur sechs Länder in der OECD, in denen der Anteil der privaten Pensionen am Gesamteinkommen der Pensionisten unter den fünf Prozent der Österreicher liegt, während er etwa in Deutschland bei 20 und in Dänemark bei 35 Prozent liegt. Beides keine Länder, deren Einwohner als unverantwortliche Zocker bekannt sind.

Das private Sparen allein wird das System ohnehin nicht retten. Dazu braucht es auch einen funktionierenden Arbeitsmarkt für Ältere, der ein konstantes Anheben des Pensionsantrittsalters möglich macht. Denn blind alle demografischen Entwicklungen zu ignorieren und „die Pensionen sind sicher“ zu wiederholen, kann in einigen Jahrzehnten zu einem bösen Erwachen führen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 06.03.2014)